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Statue für das Jahr der Schlange

Das Jahr der Schlange 2025

Es war gegen Ende des Jahres, als ich erfahren habe, dass mein Kyudoverein jedes Jahr eine besondere Neujahrveranstaltung ausrichtet - Mit Schießspielen, Spaß und gutem Essen. Ich entschied, dass ich etwas dazu beitragen wollte. Nachdem ich etwas überlegt hatte, begann ich eine kleine Statuette einer Schlange mit Glückssymbolen zu bauen, die ich als Spielgewinn für die Feier beisteuern wollte. Ich wollte es mit dem 3d Drucker machen.

Wenn man mit digitalen Modellen arbeitet, ist es sehr einfach Teile hinzu zu fügen oder zu entfernen. Im Modellbaukontext nennt man das oft “Kit Bashing” und das war der Weg, den ich gehen wollte. Also suchte ich nach einem bestehenden Modell einer Schlage, auf dem ich aufbauen wollte. Auf Thingiverse fand eines, basierend auf einem meme, das mir gefallen hat. Es passte gut, weil es einigermaßen realistisch war, aber auch nicht gruselig oder ekelerregend.

Im Anschluss schaute ich mich nach Glückssymbolen der japanischen Mythologie um und endschied mich für drei:

  1. Die Schlange sollte einen Pfeil im Mund halten
  2. Die Schlange sollte um einen Haufen Goldmünzen gewickelt sein
  3. Die Schlange sollte mit dem Schwanzende einen Glückshammer1 halten

Das setzte einige Änderungen am Originalmodell voraus. Der Mund hatte ein großes Loch, das ein Messer halten sollte. Hier musste ich zum Schließen die Geometrie freihändig neu gestalten. Ich musste auch das Schwanzende anpassen, um dem erwarteten Winkel und der Form des Hammergriffs zu entsprechen, die natürlich vom originalen Messer deutlich abwichen.

Was die Niedlichkeit angeht, war “Danger Noodle” schon ein guter Start. Aber um es noch niedlicher zu machen, habe ich zunächst den Kopf abgetrennt und etwas gedreht wieder angebracht, um der Schlange eine typische Hundewelpen Kopfdrehung zu geben. Außerdem habe ich die Augen etwas vergrößert, indem ich Kugeln hinzufügte.

"Danger Noodle" und meine rekonstruierte und abgeänderte Geometrie (weiß)

Hundeblick und größere Augen

Tunnel für einen Pfeilschaft

Den Griff des Hammers habe ich mit einem ausladenden Zierelement entworfen. Da die Schlangenschwanz-“Hand” als geschlossener Ring modelliert war, wäre ich nicht in der Lage gewesen, den Hammer hineinzuschieben. Aus diesem Grund entwarf ich den Hammer in Segmenten, die zusammenpassen - So würde ich der Schlange das dünne obere Ende des Griffs in die “Hand” schieben können bevor ich es mit dem Hammerkopf verbinde.

Konstruktion des Glückshammers

Abziehen des Glückshammers vom Schlangenkörper, damit dieser später Platz findet

Die altjapanischen ovalen Münzen2 waren einfach zu mache. Ich musste lediglich darauf Acht geben, dass die Details und die Materialstärken nicht zu dünn werden, um sie gut drucken zu können. Dann habe ich sie freihändig in der aufgerollten Schlange verteilt und ein Häufchen gebildet. Ich wollte, dass die Münzen ein separates Teil bleiben. So sollte es viel leichter werden, sie hinterher anzumalen ohne die Gefahr unabsichtlich auch die Schlange zu bemalen.

Konstruktion einer Münze

Münzstapel und der Abzug von Schlangenkörper und Hammer

Den Pfeil wollte ich aus Holz machen, statt ihn auch zu drucken. Ein Grund dafür war, dass ich unterschiedliche Medien und Texturen mischen wollte, an Stelle eines reinen Plastikdings. Aber darüber hinaus sind lange, dünne Dinge wie ein Pfeilschaft in Miniatur notorisch schwierig zu drucken. Entweder müsste man sie der Länge nach halbieren und als zwei Teile drucken oder sie würden beim Drucken deformieren. Also entschied ich mich, den Pfeil um einen Zahnstocher herum zu entwerfen. Die Pfeilspitze jedoch wollte ich als ein bestimmter verzierter Typ3 gestalten. Diesen habe ich deshalb am Computer entworfen und eine Tülle in Form einer Zahnstocherspitze hinzugefügt, um das ankleben zu erleichern.

Konstruktion der Pfeilkopf Grundform

Konstruktion des blütenförmigen Lochs

An dieser Stelle hatte ich ein paar Ideen für Verbesserungen. Also hab ich der Schlange eine Plattform zum Sitzen und einen kleinen Ema-Anhänger für den Pfeil. Beides waren sehr leicht zu modellieren.

Virtueller Passtest

Damit waren alle teile fertig und bereit zum drucken und zusammenfügen. Das Ergebnis war vielversprechend, also schleifte und bemalte ich alles. Die Schlange hatte ich in weißen Plastik gedruckt, weil ich gehofft hatte, dass ich mir das Anmalen ersparen könnte. Das Ergebnis überzeugte aber nicht, also bemalte ich die weiße Schlange mit weißer Farbe und schwarzer für die Augen. Die goldenen Teile bemalte ich mit einer “Rub and Buff” Farbe. Ich habe den Zahnstocher mit dunkelbrauner Tinte eingefärbt und anschließend mit einer feinen Säge umlaufende, flache Schnitte angelegt um die Nodien von Bambus darzustellen. Mit der gleichen Säge habe ich einen Nockschlitz eingeschnitten. Anschließeng fügte ich winzige Stücke echter Truthahnfeder hinzu und wickelte den Pfeil mit einem roten Garn. Der Schaft wurde anschließend in zwei Hälften gesägt, damit ihn in beidseitig in den Mund der Schlange schieben konnte. Aus einem Reststück von Tenugui-Stoff habe ich ein kleines Kissen genäht, auf dem die Schlange sitzen kann - Alles fand zusammen.

Ich dachte jedoch, dass die Schlange noch einen Paravent als Hintergrund brauchte. Also entwarf ich kurzerhand noch einen. Jedoch ist es so, dass man beim 3d-Druck idealerweise eine Flache Seite braucht, die auf dem Druckbett flach aufliegt. Die Zick-Zack-Form des Paravent stellte mich hier vor eine Herausforderung. Ich beschloss also, dass ich ihn aufrecht stehend drucken würde. Dazu war aber eine Bodenplatte notwendig, damit er nicht im Druckprozess umfallen würde.

Paravent mit Grundplatte

Nach dem Druck bedeckte ich die Oberseite der Bodenplatte mit einem geprägten Blatt Origamipapier, dessen Struktur wie Schlangenschuppen aussah und malte den Hintergrund mit Gold an. Das sah gut aus, aber etwas fehlte noch… Ich wollte ein Sumi-e artiges Bild auf dem Paravent anbringen. Aber in diesem Maßstab wäre es für meine Hände unmöglich gewesen, dass freihand zu malen. Also entwarf ich eine Naturszene mit Torii Tor in Photoshop. In die Ecke schrieb ich drei Kanji, die eine besondere Bedeutung in der Heki Ryu Schule haben: Kan Chu Kyu (貫中久)4. Dann druckte ich das Bild auf eine Wassertransferfolie, wie sie im Modellbau verwendet wird. Diese kann man im Wasser aufweichen, auf das Objekt legen und das Trägerpapier abgleiten lassen. Die selbe Technik benutzte ich auch um eine kleine Inschrift auf das Ema zu bringen.

Alle Teile ausgelegt

Fertig, dachte ich. Aber ich hatte eine Sorge. Die Form lud dazu ein, das ganze am Paravent festzuhalten und hochzuheben - einem dünnen Plastikteil, dass nur an einer noch dünneren Plastikbodenplatte befestigt ist. Also schnitt ich ein Stück Sperrholz zurecht und klebte es unten an, nachdem ich eine kleine Inschrift mit einem Holzbrenneisen darauf geschrieben hatte. Damit war die Schlange fertig und ich finde sie gut gelungen.

Finished Snake

Wenn du diese Schlage auch machen möchtest, findest du die Dateien hier: Link

Die Dateien sind aber nicht “schlüsselfertig” - Wahrscheinlich wirst du ähnliche Anpassungen vornehmen müssen wie ich, damit es für dich passt. Wenn du eine eigene Version machst, dann sag mir doch bitte Bescheid. Ich freue mich darauf zu sehen, was andere daraus machen.

Andreas
Autor
Andreas

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